Katholische Kirchengemeinde „Sankt Martinus“
Liebe Mitglieder unserer Pfarrgemeinde,
liebe Interessierte und Freunde,
im 16. Jahrhundert ist eine Kirche in Abenden nachgewiesen; sie war Kapelle unter der Pfarre Berg vor Nideggen. Dieser Bau befand sich in der Dorfmitte. Ein Sandsteinkreuz erinnert heute noch an den Standort dieser Kapelle. Das alte Sandsteinkreuz ist in unserer Kirche neben dem Grundstein untergebracht. Hier ist es vor jeglichen Witterungseinflüssen geschützt.
„St. Martinus“ in Abenden
Unsere Kirche in Bild-Wort-Zahl
Die Kapelle war dem Hl. Martin von Tours geweiht. Sankt Martin war der erste Heilige in der lateinischen Kirche, der nicht als Märtyrer starb. Die Martinsgans erinnert an die Legende, nach der sich der Heilige in einem Gänsestall versteckt haben soll, um seiner Wahl als Bischof zu entgehen. Die schnatternden Tiere verrieten ihn jedoch.
In der Organisation des ersten Bistums Aachen 1804 ist Abenden unter der Pfarre Nideggen aufgeführt und seitdem ihr unterstellt.
Mit Schreiben vom 12.03.1864 wurden Plan und Kostenvoranschlag dem Erzbischöflichen Generalvikariat zu Köln vorgelegt und von diesem wurde am 17.03.1864 der Bau der neuen Kirche an dieser Stelle genehmigt.
Baubeginn war der 23.06.1864 (siehe Grundstein). Bereits am 18.10.1865 bat die Gemeinde um Einweihung der neuen Kapelle; Genehmigung wurde am 21.10.1865 erteilt. Auch diese Kirche ist dem Hl. Martinus geweiht. Die Kirche liegt an des Dorfes höchster Schwelle, nämlich 10 m höher als der Dorfplatz.
An des Dorfes höchster Schwelle,
wo die alten Linden stehn,
ruft das Glöcklein zur Kapelle,
fromme Beter seh’ ich gehn.
Von hier auch tönet Glockenklang
allen einst zum letzten Gang.
(Auszug aus dem Heimatlied von Lehrer Josef Saurbier+ )
St. Martinus im 19. Jahrhundert
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Einweihung am Sonntag, 12.11.1865, zum Tag des Pfarrpatrons. Die Kapelle ist ein dreischiffiger Bruchsteinbau im neugotischen Stil mit Chor aus den fünf Seiten eines Achtecks.
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Bereits 1868 konnte der Nachweis über Taufstein und Friedhof geführt werden, erlaubt wurden dann Taufe und Beerdigung – vorher war das penden der Sakramente nur in der Pfarrkirche in Nideggen erlaubt. Gleich am Eingang befindet sich der Taufstein aus heimischem Buntsandstein. Der Deckel wurde vom ortsansässigen Schmiedemeister Johann Riem hergestellt.
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Der geschnitzte Hochaltar (Retabel) wurde von dem Aachener Bildhauer Hermanns angefertigt und im Jahre 1876 fertig gestellt. Dieser Altar wurde aus freiwilligen Spenden der Gemeinde Abenden finanziert. Mit der Liturgierefom rückte der Altartisch nach vorne und das Retabel bekam einen gemauerten Sockel.
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Im Zentrum steht der Tabernakel mit Lamm Gottes und Siegesfahne. Darüber das Kreuz als Lebensbaum mit Weinblättern und Trauben.
„Ich bin der Weinstock .. (Joh. 15,1-8) -
Über dem Kreuz befindet sich der Pelikan, von dem die Menschen früherer Zeiten glaubten, dass er sich seine eigene Brust aufreißt um seine Jungen mit eigenem Fleisch und Blut zu nähren. Ein starkes Symbol für den Kreuzestod Jesu Christi. Zu beiden Seiten des Kreuzes stehen seine Eltern Maria und Josef. Maria als Immaculata (Unbefleckte Empfängnis). Sie steht auf der Mondsichel, um die sich die Schlange windet. Marias rechter Fuß zertritt den Kopf der Schlange (Gen 3,15). Auf der rechten Seite steht Josef mit einem Wanderstab. Als Bauhandwerker auf wechselnden Arbeitsstätten war er viel unterwegs.
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Neben diesen Figuren befinden sich 2 Schriftbänder
STAT CRUX DUM - VOLVI TUR ORBIS
Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht. -
Rechts steht unser Schutzpatron St. Martin mit Gans und Bischofsstab. Links steht unsere 2. Schutzpatronin, die Hl. Brigida von Kildare (Irisch Cill Dara, zu Deutsch Kirche der Eiche). Sie ist um 451 in Irland geboren. Im Alter von 14 Jahren gründete sie unter einer Eiche eine Zelle, woraus später das Doppelkloster von Kildare entstand.
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Links im Chorraum steht die Holzfigur des hl. Martin in der Gestalt als Bischof. Die Figur aus dem 18. Jhd. stammt noch aus der alten Kapelle.
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An den Seitenaltären befinden sich Maria und Josef auf einem Sandsteinsockel. Die beiden Figuren sind aus Spezialton hergestellt und stammen aus der Bauzeit der Kirche. Links neben dem Marienaltar befindet sich in einer Nische die Ikone der Immerwährenden Hilfe, wo die Kirchenbesucher gerne eine Opferkerze anzünden.
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1871 Bau einer Sakristei.
St. Martinus im 20. Jahrhundert
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In den Jahren 1921-25 wurde die Kirche unter Kaplan Winzen umfangreich restauriert. Unter anderem wurde auch die Sakristei erweitert.
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1923 wurden die Fenster, von der Fa. Wilh. Sonanini, Düren, hergestellt. Typisch für diese Zeit ist die Verwendung von Symbolen, die entsprechend der Hierarchie des Kirchenraumes eingesetzt wurden. Im Schiff sind die Fenster mit einem Kreuzsymbol geschmückt – monumental nimmt es die ganze Fensterfläche ein. Im Chorraum steigert sich die Bedeutung der Symbole zum mittleren Chorfenster hin, das im Kreuz auf Christus Bezug nimmt. Es folgen: Siegesfahne und Hand mit Siegeszeichen als Symbol für die Auferstehung Christi und Hinweis auf das ewige Leben. Im Fenster gegenüber sind Kelch, Ähren und Trauben typische Zeichen für Christus und seinen Opfertod (Stift. Forschungsstelle Glasmalerei d. 20. Jh. e.V Mönchengladbach 2008).
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1924 wurden die beiden Stahlglocken in der Bochumer Gießerei gegossen.
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Im 2. Weltkrieg waren erhebliche Schäden an unserer Kirche entstanden. Diese umfangreichen Reparaturarbeiten wurden durch großzügige finanzielle Spenden aus der Bevölkerung möglich, u.a. die Reparatur der 9 Kirchenfenster.
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1951/52 wurden die Kreuzwegbilder komplett von der Bevölkerung gestiftet.
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Ab 1968 wurde der komplette Innenraum der Kirche umgestaltet (infolge des II. Vatikan. Konzils). In dieser Zeit des Umbruchs wurde die Kommunionbank, die barocke Kanzel aus dem Jahre 1633 abgebaut und in das Magazin des Bistums Aachen übertragen.
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Das Kruzifix aus Eichenholz – in der Mitte über dem Altar - stammt aus dem 18. Jh. und lässt vermuten, dass dieses Kreuz (Corpus) noch aus der alten Kapelle stammt.
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Im Chorraum steht ein Altarkreuz auf Eisenständer mit einem Bergkristall.
St. Martinus in der Gegenwart
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2004 wurde der gesamte Westgiebel mit Turm des Kirchengebäudes aus eigenen Mitteln saniert.
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Altarweihe am 27.05.2012 durch Weihbischof Karl Reger
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Seit der Liturgiereform ist so manches in unserer Kirche verändert worden, damit mehr „MIT“ der Gemeinde gefeiert werden kann. Schluss-Steine, wörtlich genommen, waren nun Ambo und Altar, zueinander passend und aus heimischem Sandstein gefertigt. Anlässlich der Altarweihe erklärte Weihbischof Karl Reger während des Gottesdienstes, dass für uns Christen der Altar das Symbol für Christus den Gesalbten ist. Er ist gleichsam Nahtstelle und Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen.
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Am 29.06.2014 feierte die Gemeinde „150 Jahre Grundsteinlegung“. Ein Modell der Kirche in Miniaturausführung wurde in einer Prozession vom Standort der alten Kapelle in der Dorfmitte zum heutigen Standort getragen. Die Jubiläumsfeier wurde von Pfarrer Kurt Josef Wecker begleitet, der auch den Festgottesdienst zelebrierte.
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Gemäß Schreiben vom 22.06.2011 der Stabstelle Recht des Bischöflichen Generalvikariates Aachen, Az. 0.0.4 De/Re handelt es sich um eine Kirche, zu der die Gläubigen das Recht des Zutritts haben, um den göttlichen Kult vor allem öffentlich zu vollziehen.
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Ab Juni 2022 ist in unserer Kirche das Original der historischen Kugelsonnenuhr mit Kubus aus 1770 ausgestellt (vorher Grundstück Gilles, Dorfmitte). Dieses Exemplar aus heimischem Sandstein ist in dieser Form in Deutschland einmalig.
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2024 wurde das Mosaiklamm wieder freigelegt. Es war durch Umgestaltungsmaßnahmen des Altarraums jahrzehntelang verdeckt.
Betreuung und Verwaltung
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Bis 1950 wurde Abenden von einem Vikar/Kaplan betreut, der auch hier im Vikariats-/Rektoratsgebäude eine Wohnung hatte (heute Haus Hatterscheid) unterhalb der Kirche.
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Ab 1950 übernahmen die Patres von Mariawald die priesterliche Betreuung des Ortes, zuletzt Pater Gerhardus, welcher 1967 verstorben ist.
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Von 1968-1969 Pfarrer Offergeld +
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Ab 1969/1970-2001 Pfarrer Dr. Christoph Henkel +
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2006-2012 Pfarrer Heinz-Josef Biste
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Okt. 2013-März 2014 Pfarrer Stefan Kaiser+
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Ab 2014 Pfarrer Doncks, Heimbach
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Ab 01.09.2019 Pfarradministrator Kurt Josef Wecker
Quellennachweis:
1. Protokollbücher des Kirchenvorstandes Abenden
2. Kunstdenkmäler des Kreis Düren – Paul Clemen
3. Bischöfliches Diözesanarchiv Aachen
4. Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. in Mönchengladbach
5. Fachkreis für Sonnenuhren, Nürnberg
Information
Th. Cremer, Hundsleyweg 43
52385 Nideggen – Abenden
Tel.: 02427 6244